Knie

Vorderer Knieschmerz


Schmerz um die Kniescheibe wird ebefalls als Patello-femorales Schmerzsyndrom bezeichnet (Patella=Kniescheibe; Femur=Oberschenkelknochen) und gilt als häufigste Ursache für vorderen Knieschmerz. Wichtige Differentialdiagnosen sind u.a. intraartikuläre Pathologien, Plica-Syndrom, Osgood Schlatter und Patellatendinopathie.

Lange Sitzperioden, Stufen hinuntersteigen oder Kniebeugen sowie Ausfallschritte können den Schmerz hervorrufen. Oft ist eine muskuläre Dysbalance oder Schwäche der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur dafür verantwortlich.

Kurzfristige Erhöhung der Aktivität nach längerer Ruhephase (sogenannte Weekend-warrior) ist ein Risikofaktor für vorderen Knieschmerz.

Die Therapie konzentriert sich auf Anpassung der Aktivität im Alltag und Integration von kräftigenden Übungen zur Behandlung von muskulären Defiziten in Knie- und Hüftmuskulatur. Schmerzlinderung durch die richtige Aktivität passiert kurz- und langfristig.

Athleten werden nach und nach von dynamischen in plyometrische (Sprung-) Belastung begleitet bis sie wieder fit für ihre individuelle Sportart sind.

Innerer Knieschmerz


Ähnliche Strukturen wie auf der äußeren Seite des Knies (Bänder, Sehnen, Kapsel, Meniskus) können auch auf der Innenseite Schmerzen verursachen. Innenband und Innenmeniskus Verletzungen werden hier beschrieben.

Innenmeniskus Verletzung


Bei Meniskusverletzungen werden zwischen traumatischen und degenerativen Verletzungen unterschieden (Siehe Außenmeniskus Verletzung). Der Verletzungsmechanismus ist ebenfalls durch schnelle Bewegungen (mit/ohne Rotation) unter Gewichtsbelastung gekennzeichnet. Steifigkeiten oder ein Einklemmen während Bewegung (Kniebeugen, Kniestrecken) können festgestellt werden. Manchmal sind auch Gelenksgeräusche möglich.

Physiotherapie ist indiziert bei sukzessiver Verbesserung der Symptome innerhalb der ersten 6 Wochen nach der Verletzung. Beweglichkeit, Kraft, Aktivitätslevel und Ziele bestimmen den Therapieverlauf und das individuelle Trainingsprogramm. Die Prognose ist abhängig von Art und Ausmaß der Verletzung, körperliche und mentale Fitness, sowie Entwicklung der Symptome in den ersten Wochen. Bei traumatischer Meniskusverletzung oder Begleitverletzung weiterer Strukturen (Vorderer Kreuband, Innenband) werden operative Maßnahmen in Betracht gezogen.

Innenbandverletzung


Eine isolierte Innenbandverletzung tritt beim Kontaktsport auf in dem eine fremde Kraft von außen auf das Knie wirkt bis es zur Überdehnung, Teilriss oder Riss der Innenbandstruktur kommt. Gewichtsbelastung nach der Verletzung ist möglich, Schwellung tritt wie bei anderen Bandverletzungen innerhalb der ersten Stunden auf. Konservative Therapie (Physiotherapie) ist hier vorrangig. Häufiger ist jedoch eine Begleitverletzung des Innenmeniskus oder vorderen Kreuzbandes. Hier muss je nach Grad der Verletzung I-III (Zerrung, Teileinriss, Einriss) mit dem behandelnden Arzt über die weitere Therapie Rücksprache gehalten werden.

Im Gegensatz zur Meniskusverletzung kann bei einer Innenbandverletzung früher mit gewichtstragenden Übungen begonnen werden. Die Beweglichkeit wird im Laufe der Rehabilitation besser und vor allem durch Dehnübungen der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur unterstützt.

Äußerer Knieschmerz


An der Außenseite des Knies befinden sich Knochen, Bänder, Sehnen, Meniskus und Knorpel. All diese Strukturen können potenzielle Ursachen für Schmerzen sein. Wir widmen uns hier vor allem den 2 häufigsten Pathologien: dem Iliotibialen Band Syndrome und Verletzungen des äußeren Meniskus.

Iliotibiales Bandsyndrome (ITBS)


Das ITBS kommt häufig bei Läufern, Radfahren und Schwimmer vor, die ihre Trainingsbelastung kurzfristig erhöhen, ihr Equipment wechseln (Laufschuhe, Rad) oder Ihren Stil ändern. Der Schmerz kann punktuell oder großflächig an der Außenseite des Knies auftreten und beginnt nach einiger Belastungszeit (z.B. 30 Minuten Laufen).

In der schmerzhaften Periode werden vor allem Dehnübungen und Anpassung der Belastungsdauer im Sport instruiert. In weiterer Folge ist es wichtig die seitliche und hintere Hüftmuskulatur (gluteus medius/maximus) zu aktivieren und funktionell zu kräftigen. Schnellere Lauftempi sowie höherer Kniebeugewinkel (>30Grad in gestreckter Position) beim Radfahren können den Druck zwischen Knochen und Band reduzieren und den Therapieerfolg unterstützen.

Außenmeniskus Verletzung


Bei innerer und äußerer Meniskusverletzung kann zwischen degenerativen und traumatischen (Teil-) Einrissen unterschieden werden. Verletzungen des äußeren Meniskus sind seltener und kommen meistens ohne Begleitverletzungen vor.

Bei einem degenerativen Einriss werden Schmerzen und Bewegungseinschränkung graduell mehr. Sie treten in gewichtstragenden Positionen (mit/ohne Körperrotation) auf und können neben Schmerzen an der Außenseite auch nach vorne oder in die Kniekehle strahlen. Ein traumatischer Einriss entsteht bei schnellen unkontrollierten Richtungswechsel oder Landung nach einem Sprung meist ohne Fremdeinwirkung.

Indikation zur Operation besteht vor allem bei Personen mit traumatischen Meniskus(teil)rissen, bei welchen nach konservativer Behandlung kein Fortschritt zu sehen ist. Jedoch die meisten degenerativen so wie viele traumatische Meniskusverletzungen zeigen gute Erfolge nach physiotherapeutischer Behandlung. Geduld, schmerzfreies Bewegen und gezielte Kräftigung (Oberschenkelmuskel, Hüftmuskel) können den Patienten wieder Zuversicht und Stabilität im Knie geben.

Vordere Kreuzbandverletzung


Die am häufigsten erforschte Pathologie am Bewegungsapparat ist der vordere Kreuzbandriss. Isoliert oder in Kombination mit anderen Strukturen (Innerers/äußeres Seitenband, innerer Meniskus) kann ein Kreuzband(ein)riss unterschiedliche Verläufe haben.

Bei komplexen und kombinierten Bandverletzungen sowie bei Personen, die bei der Untersuchung 6 Wochen posttraumatisch noch deutliche Einschränkungen und Unsicherheiten aufweisen, wird eine operative Vorgehensweise bevorzugt.

Physiotherapie ist ähnlich wie bei Meniskusverletzungen eine gut erforschte Alternative. Viele Patienten erreichen bei konsequentem Koordinations- und Krafttraining wieder den Großteil ihrer Kraft und Stabilität zurück.


In der ersten Phase der Rehabilitation konzentrieren sich physiotherapeutische Maßnahmen auf den Schwellungsabbau und die Verbesserung der Beweglichkeit. Übungen in gewichtstragenden Positionen werden begonnen, wenn die Entzündungszeichen (Wärme, Schwellung, Bewegungseinschränkung, Rötung, Schmerz) beinahe zur Gänze abgeklungen sind. Eine langsame Steigerung der Belastung unter Berücksichtigung der Entzündungszeichen wird wöchentlich unternommen. Je nach Ziel und Aktivitätslevel des Patienten kann folglich mit individueller oder sportspezifischer Belastung begonnen werden.

Patellatendinopathie


Die Diagnose: Patellatendinopathie wird vor allem bei gute lokalisierbaren Schmerzen an der Kniescheibenunterseite (Spitze) während bzw. nach Sprung- oder Laufbelastung gestellt. Im Alltag kann es beim Stiegen hinunter steigen oder nach langen Sitzpausen zu Schmerzen kommen. Risikofaktoren sind ein plötzlicher Anstieg der Trainingsbelastung, frühere Verletzungen am betroffen oder nicht-betroffenen Bein (Sprunggelenk, Hüfte), sowie ungesunder Lebenstil (Rauchen, wenig Schlaf, ungesunde Ernährung).

In der Untersuchung wird die einbeinige Kniebeuge, sowie Absprung und Landeaktivität analysiert. Dies liefert wichtige Erkenntnisse über Beckenstabilität und Quadricepskraft. Lebensstiländerung und Anpassung der Trainingsbelastung sind wichtige erste Schritte zur Schmerzlinderung. Isometrische Übungen (Spannungsübungen) des Quadriceps werden zu Beginn der Rehabilitation besprochen. Weiters kommen Übungen mit viel Widerstand (einbeinig oder beidbeinig mit Zusatzgewicht, falls vorhanden) zum Einsatz. Nach 4-6 Wochen intensiven Krafttrainings wird sukzessive mit Sprung- und Laufbelastung begonnen.